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Die Entwicklung der Patient:innenzentrierung

Die Patient:innen als aktive Mitgestalter:innen sind oft ein unterschätzter Hebel im Gesundheitswesen. Trotz vieler Reformen, Digitalisierung und Innovationsinitiativen bleibt ihre entscheidende Perspektive oft unterrepräsentiert.

Ein Beitrag von Oliver Wyman macht deutlich: Die Einbindung von Patient:innen ist kein «weiches» Thema, sondern ein messbarer, wirtschaftlich relevanter Erfolgsfaktor und wichtiger Beitrag für bessere Gesundheitsoutcomes. Denn viele Herausforderungen im Gesundheitswesen lassen sich nicht ohne die aktive Einbindung und Rolle der Patient:innen nachhaltig lösen.

In Kombination mit digitalen Lösungsansätzen und Künstlicher Intelligenz (KI) zeigt Oliver Wyman sechs zentrale Handlungsfelder aus dem amerikanischen Markt auf, in denen Patient:innen echte Wirkung entfalten können:

1️⃣ Therapietreue stärken

Rund 50 % der Patient:innen halten sich nicht vollständig an ihre Behandlungspläne: mit gravierenden Folgen: $100–290 Mrd. jährliche Mehrkosten durch vermeidbare Krankenhausaufenthalte, Notfälle und Krankheitsverschärfungen. KI-gestützte Systeme helfen, Adhärenz frühzeitig zu erkennen und zu fördern.

2️⃣ Selbstmanagement ermöglichen

Chronische Krankheiten verursachen knapp 90 % der US-Gesundheitsausgaben. Digitale Tools können chronisch Erkrankte wirksam unterstützen.

3️⃣ Prävention aktivieren

Trotz breitem Versicherungsschutz erhalten nur 8 % der US-Erwachsenen alle empfohlenen Vorsorgeleistungen. Mit personalisierten Ansprachen lassen sich Vorsorgelücken gezielt schliessen.

4️⃣ Gesundheitskompetenz fördern

Nur 12 % der US-Erwachsenen gelten als gesundheitskompetent – 88 % tun sich schwer mit medizinischen Infos, was jährlich $238 Mrd. an Mehrkosten verursacht (z. B. durch Fehlmedikation, unnötige Klinikaufenthalte). Einfache, personalisierte Kommunikation kann eine Fehlversorgung verhindern.

5️⃣ Kommunikation verbessern

30 % aller Behandlungsfehler beruhen auf Kommunikationsmängeln – mit jährlichen Kosten von $1,7 Mrd. Bis zu 20 % aller Wiedereinweisungen könnten durch klare Anweisungen und Nachsorge vermieden werden.

6️⃣ Koordination gemeinsam gestalten

Patient:innen sind keine Empfänger:innen – sie sind Teil des Systems. Nur wenn ihre Sicht mit eingebunden ist, können Lösungen entwickelt werden, welche wirken.

«The best interest of the patient is the only interest to be considered.»

William J. Mayo, M.D. (1861-1939)

Was es jetzt braucht: einen ganzheitlichen, strukturellen Ansatz. Die Einbindung von Patient:innen darf kein Add-on sein, sondern muss als Designprinzip in Strategien, Prozesse und Technologien eingebettet werden. Das Potenzial ist enorm für Qualität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Und vor allem für eine Versorgung, die Patient:innen wirklich einbezieht.